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Namibia: Deutsch-Drahthaar als Nachsuchenhund


Dr. Rainer Trede, der seinerzeit nach Namibia ausgewandert war und dort eine Farm incl. Jagdfarm  (Ombundja Wilflife Lodge) betreibt, hatte mich gebeten, seinen Deutsch-Drahthaar-Rüden jagdlich auszubilden. Er hatte einen Welpen – genannt „Choi“ – der aus einer Verpaarung aus den Zwingern „vom Questenstieg“ und „ v.d. Paffenwiese“  stammte, erstanden aber mit der Ausbildung wegen Zeitmangel, Geduld und fehlenden Kenntnissen (nach eigenem Bekunden) gescheitert war. Der Rüde war 1 ½ Jahre alt und noch völlig roh. So bin ich dann nach Namibia geflogen, nachdem ich mich ausgiebig mit dem Klima, der Vegetation, der Gesellschaft und Geschichte des Landes kundig gemacht hatte. Hierbei muss ich erwähnen, dass ich ohne Büchse geflogen bin, da ich keine jagdlichen Ambitionen gehegt hatte. Aber es sollte anders kommen. Denn ich Windhoek angekommen, wurde ich von Dr. Trede am Flughafen abgeholt und nach etwa 1-stündiger Rundfahrt (Kurz-Sightseeings-Tour) durch Windhoek zu seinem Haus gefahren, wo er zusammen mit seiner Frau eine Unternehmensberatungsfirma betreibt. Beim ersten Gespräch über die Ausbildung wurde ich gebeten, da ich auf seiner Farm über die Woche allein mit den Bediensteten wohnte, Antilopen – im Prinzip nur junge Stücke, wie Gnu, Eland, Kudu, Oryx oder Hartebeest – zu schießen, da nach namibischem Recht jeder bediensteten Familie auf einer Farm jeden 2. Tag Frischfleisch von etwa 1 ½ kg zur Verfügung gestellt werden muss.

Nach einer Nacht in Windhoek brachen wir dann am nächsten Morgen zu seiner Farm auf, die ca. 400 km nördlich von Windhoek oder ca. 100 km südlich des Etoscha-Nationalparkes liegt. Bei dem üblichen 4-Uhr-Nachmittags-Tee haben wir ausgiebig den Ausbildungsweg – nämlich Riemenarbeit, denn Niederwild gibt es kaum in Namibia – besprochen. Nachdem ich mich anhand von Bildern mit dem dort vorkommenden Wild befasst hatte, ging es dann zum ersten Abendansitz mit Dr. Trede. Der Ansitz vermittelte mir einen Eindruck über das Gelände. Daraus schloss ich, dass es nicht leicht für den Hund sein würde, in dem kniehohen, afrikanischen, ausgedörrten Bushgras, sowie der extremen Trockenheit, keine Luftfeuchtigkeit, der hohen Hitze von ca. 28-30 Grad, trotz Winterzeit, und dem sandigen Boden eine Fährte halten zu können. Außerdem bietet das flache Gelände kaum einen markanten Punkt, der den Fährtenverlauf ohne optische Hilfsmittel kennzeichnen kann.

Ombundja Wildlife Lodge

Ombundja Wildlife Lodge

Nach dem üblichen „Sun-Downer“ in freien Gelände musste erst einmal die Eindrücke des ersten Tages auf der Farm verarbeiten.

Sonnenuntergang in Namibia

Da mit dem Rüden bisher jedoch noch nicht gearbeitet worden war, habe ich zunächst das Apportieren eingearbeitet, um bei dem Hund Beute- und Bringerwillen zu wecken. Nachdem das problemlos gelöst war, habe ich zunächst mit Lungen- und Pansenfährten begonnen, wobei am Ende der Fährte jeweils ein gefüllter Futternapf stand. Nach Festigung des Finderwillens bin ich dann auf Wildschweißfährten umgestiegen, dabei lag dann am Ende immer eine Decke einer frisch geschossenen Antilope. Die Belobigung erfolgte dann aus der Tasche.

Choi bei der Ausbildung

Nach etwa 5-wöchigem Training und Standzeiten von ca. 6 bis 8 Stunden ergab sich dann – eigentlich unbeabsichtigt – der erste Ernstfall für Choi auf der Naturfährte. Am Abend hatte ich ein Streifengnu beschossen (RWS-Geschoss 11,2 gr. 7x65R), das Stück war in den Bush abgesprungen. Ich war mir sicher, gut abgekommen zu sein. Nach geraumer Zeit machte ich mich dann auf zur Anschusskontrolle. Keine Pirschzeichen (Schnitthaar, Schweiß, Knochensplitter oder tiefe Hufeindrücke) konnte ich entdecken. Da mittlerweile die Dämmerung hereingebrochen war, brach ich die Suche ab, um am nächsten Morgen mit Choi die Suche wieder aufzunehmen. Sorge, dass das Wildbret verhitzen würde, hatte ich nicht, denn wegen der fehlenden Luftfeuchtigkeit gibt es weder Fliegen noch sonstige Kleininsekten.

Am vermeintlichen Anschuss habe ich Choi angesetzt, aber schon sehr schnell spürte ich, dass der Hund nicht zielstrebig und konzentriert suchte. Jede Verleitfährte wurde angefallen und letztlich faselte der Hund nur noch. Verzweifelt ging ich zum abgestellten Jeep zurück, als mich der Hund plötzlich sehr heftig in den Bush zog, mit sehr tiefer Nase und hochkonzentriert lag er stramm im Riemen, überwand alle Verleitfährten ohne zu zögern und plötzlich nach etwa 80 m standen wir vor dem längst verendeten Gnu, das mit sauberem Blattschuss erlegt war.

Auf dem Rückweg zum Jeep, nachdem ich den Erlegungsort mit meinem Hemd markiert hatte, habe ich die Stelle, an der Choi mich in den Bush zog, genauer untersucht. Dabei habe ich zweierlei festgestellt: sehr tiefe Hufeindrücke und was für mich noch wichtiger war, ich hatte mich völlig in der Entfernung des Standortes der Abgabe des Schusses und dem Anschussort wegen der fehlenden Markierungspunkte getäuscht. Jeder Mopanebaum, jeder Strauch (Kameldorn) gleicht dem anderen, und wenn nicht gerade ein Termitenturm in der Nähe ist, fehlt ein deutlicher Markierungspunkt.

Choi - erfolgreiche Jagd

Termitenhügel

Gazellen

Nachdem ich Dr. Trede von der erfolgreichen Nachsuche berichtet hatte, bat er mich dann, den Hund doch auch noch zum Totverbeller auszubilden. Davon riet ich ihm jedoch ab, denn bei der Größe der Farm (ca. 3.500 ha) nutzt ein solcher wenig, vor allen Dingen wenn ein Stück noch weit geht. Stattdessen habe ich ihm die Ausbildung zum Bringselverweiser vorgeschlagen und dann sofort mit dieser Ausbildung begonnen. Nach weiteren 14 Tagen hatten wir als Gespann dann Gelegenheit, die Verweiserarbeit an einem frisch geschossenen Elandbullen unter Beweis zu stellen.

Choi - erfolgreiche Jagd

Fazit dieser gesamten Ausbildung ist, dass der Deutsch-Drahthaar nicht nur sehr anpassungsfähig an extreme Temperaturen ohne Luftfeuchtigkeit ist, sondern auch unter ganz schwierigen Bedingungen, was vor allen Dingen die Bodenbeschaffenheit (Sandboden, felsiger Untergrund) anbetrifft, Nachsuchen mit Erfolg durchzuführen. Denn besonders auf  dem trockenen afrikanischen Sandboden ist sehr schnell der gespritzte Schweiß in den Boden eingesunken bzw. durch die Hitze verdunstet. Zu der Ausbildungszeit herrschte in Namibia Winterzeit, d.h. hohe Temperaturen von tagsüber 28-30 Grad ohne jegliche Luftfeuchtigkeit sowie keinerlei Bodenbelag wie Blätter usf. Das bedeutet, dass vom Hund eine enorme Nasenleistung abverlangt wird. Die Nase des Hundes ist bekanntermaßen sein leistungsfähigstes Organ. Im Gegensatz zum Menschen, der rund 5 Millionen Geruchsrezeptoren hat, verfügt die Hundenase über ca. 200 Millionen Geruchsrezeptoren. Diese Fähigkeit kann also auch unter extremen klimatischen Bedingungen vom Hund eingefordert und umgesetzt werden. Hilfreich sind dem Hund dabei:

  • Bodenverwundung, nämlich verändertes Mikroleben gegenüber der Umwelt im Trittsiegel
  • eränderte und kranke Drüsenabsonderung
  • eine andere Blutzusammensetzung durch Wundsein, Angst und Adrenalin
  • abgesonderte „gesunde“ Körperteile wie Schnitthaar oder Atempartikel
  • abgesonderte „kranke“ Körperteile wie Arganteile, Schweiß und Lymphen

An allen diesen Details orientiert sich der Hund, und zwar ausschließlich über seine Nase, d.h. der Hund verarbeitet nur die aus der Fährte strömende Witterung. Meine Erfahrung war darüber hinaus, dass der Hund die natürliche Wundfährte viel konzentrierter und energischer arbeitete als mit Wildschweiß gespritzte oder gar Lungen- und Pansenfährte arbeitete.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland nach 7 Wochen habe ich mehrfach von Dr. Trede Anrufe erhalten, der mir stolz von mehreren erfolgreichen Nachsuchen mit seinem Deutsch-Drahthaar berichtete, die zum Teil bis über 4 km gingen.

Ein ganz besonderes Erlebnis hat er mir dann berichtet und dokumentiert u.z. wie er es nannte die „Meisterprüfung“ für Choi. Da auf seiner Farm enormer Schaden durch Geparden unter der Rinderherde angerichtet worden war, war auf Antrag ein Gepard zum Abschuss freigegeben worden. Bei einem Ansitz kamen 3 Geparden im letzten Büchsenlicht in Anblick, davon wurde einer beschossen, der schwer zeichnete aber noch in den Bush verschwinden konnte. Eine Nachsuche bei Dunkelheit auf eine Großkatze wurde vernünftigerweise nicht unternommen, sondern am nächsten Morgen mit Choi, dem Fährtensucher David und dem Ehepaar Trede gestartet. Am Anschuss waren keine Pirschzeichen zu finden, aber David fand im lockeren Sand eine einzelne Fährte, die sich aber nach etwa 100 m im hohen Gras und im darauffolgenden felsigen Untergrund verlor. Choi, am langen Riemen dann am Anschuss angesetzt, folgte mit tiefer Nase der 12 Stunden alten Fährte und zog zügig voran.

Nach etwa 350m sprang Choi plötzlich zurück und knurrte. 40m vor dem Gespann kam der Gepard hoch und ging flüchtig durch das hohe Gras ab. Ein Schuss war unmöglich. Jetzt war Choi nicht mehr zu halten. Es ging im Dauerlauf durch den Bush, und für Angst sei glücklicherweise keine Zeit gewesen. Dann wieder wie zuvor: Choi springt zurück, richtet die Nackenhaare auf und knurrt. Vier Meter vor Choi kommt der Gepard aus dem Wundbett und will Choi angreifen, flüchtet aber, als er das Gespann und Gefolge hinter dem Hund sieht. Weiter ging es, und das auf einmal sehr schnell: nach weiteren knapp 100 Metern warnt Choi erneut nach der vorher beschriebenen Weise und der Gepard kommt im Wundbett in Anblick. Ein Schuss auf 20 Meter und die Katze verendet. Bemerkenswert ist die Art, wie der Hund vor jedem Wundbett auf die Gefahr für ihn vollkommen unbekanntes Wild reagierte. Vor den sehr viel mächtigeren Antilopen hat er nie auf den Nachsuchen gewarnt, sondern ist direkt auf diese zugezogen. Vermutlich ist die Witterung der waidwunden Katze das auslösende Moment für dieses Verhalten gewesen.

Choi mit Gepard

Ein vollständiger Bericht über die Gepardennachsuche ist seinerzeit in“Jäger“ Zeitschrift für das Jagdrevier Nr. 3/2008 erschienen.

Weitere Infos sind auch durch mich oder unter www.ombundja.de erhältlich.